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Warum ich Sauna anders mache | Sauna in Hamburg

  • Jul 1
  • 3 min read

Wenn ich erzähle, dass ich in Hamburg Saunaabende anleite, höre ich oft denselben Satz: "Ich glaube, Sauna ist nichts für mich."

"Ich halte die Hitze nicht aus."

"Ich weiß nie, wann ich rausgehen soll."

"Alle sitzen da so selbstverständlich, als gäbe es unausgesprochene Regeln, die nur ich nicht kenne."

Und ich kann das gut verstehen. Ich glaube nämlich, dass viele von uns Sauna vor allem als etwas kennengelernt haben, bei dem es darum geht, möglichst viel, möglichst lange und vielleicht auch möglichst weit oben zu sitzen. (Ich denke da gerade an die, sorry, meist Männer im Va Bali, die unbedingt ganz nach oben müssen, um dann als Erste wieder rauszugehen, weil's doch 'n bisschen doll war.) Dieses "möglichst". Möglichst heiß. Möglichst lange. Möglichst tapfer. Fast so, als gäbe es auch in der Sauna etwas zu gewinnen. Einen kleinen Saunafleißsticker vielleicht.


You do you. Auch in der Sauna.

Nö. Für mich gibt es da nichts zu beweisen.

Denn wenn ich meinem Körper wirklich zuhöre, dann interessiert den herzlich wenig, ob gerade zwölf Minuten um sind oder das Thermometer 90 Grad anzeigt. Mein Körper spricht eine ganz andere Sprache. Er wird ruhiger oder unruhiger. Er macht auf oder zieht sich eher zusammen. Manchmal möchte er noch bleiben. Manchmal reicht es nach ein paar Minuten. Und dann ist das eben so.

Ich finde, wir vertrauen erstaunlich oft allem Möglichen mehr als unserem eigenen Körper. Der Sanduhr. Der Smartwatch. Dem Saunameister. Irgendeiner Regel, die wir mal aufgeschnappt haben.

Dabei sitzt der eigentliche Experte doch schon mit uns auf der Bank.


Mich interessiert kein perfekter Saunagang.

Vielleicht ist das der größte Unterschied zu der Art, wie ich Sauna verstehe und anleite. Ich möchte Menschen gar nicht beibringen, wie Sauna "richtig" geht. Mich interessiert viel mehr, einen gemeinsamen Erfahrungsraum entstehen zu lassen. Wir tasten uns an die Wärme heran, spannen langsam den Bogen, arbeiten mit Wasser, mit Düften, mit wilden Pflanzen. Und ja, ich pütschere wirklich ziemlich gern mit Wasser. Nicht nur, weil ich das liebe, sondern weil Feuchtigkeit die Wärme oft viel angenehmer macht. Weicher. Weniger anstrengend. Der Körper muss nicht gegen trockene Hitze ankämpfen. Mich interessiert viel mehr die Frage: Wie fühlt sich das heute eigentlich für dich an?


Wärme. Kühle. Und dieses wunderbare Dazwischen.

Natürlich passiert in der Wärme eine ganze Menge. Die Gefäße weiten sich, wir beginnen zu schwitzen, die Muskeln werden weicher und oft verändert sich ganz von allein der Atem. Und dann kommt die kühle Dusche. Der Regen draußen. Vielleicht sogar das Meer oder ein See. Zack. Auf einmal ist alles wieder anders. Wach. Klar. Britzelig. Ich liebe dieses Wechselspiel. Gar nicht unbedingt in erster Linie, weil Sauna das Immunsystem unterstützen kann oder weil wir unseren Körper "abhärten". Ja, nette Nebeneffekte. Mich fasziniert etwas anderes viel mehr.

Wir geben unserem Körper die Gelegenheit, sich immer wieder neu auf das einzustellen, was gerade da ist. Wärme. Kühle. Ruhe. Und wieder von vorn.

Es fühlt sich für mich oft so an, als würde dabei etwas in uns ein kleines Stück nach innen sinken. Nicht müde. Eher gesammelt. Klar. Irgendwie mehr bei sich.


Vielleicht geht es gar nicht um die Hitze.

Ich glaube, viele von uns haben ein bisschen verlernt, diesen feinen Bewegungen im eigenen Körper zuzuhören. Oft vertrauen wir der Uhr mehr als unserem Gefühl. Dem Thermometer mehr als unserer Haut. Dabei ist Sauna eigentlich ein wunderbarer Ort, um die Sinne wieder einzuladen. Wie riecht es hier gerade? Wie fühlt sich die Luft auf meiner Haut an? Der Schweiß auf meiner Haut? Was macht die Feuchtigkeit mit mir, aber auch die Wärme? Wie verändert sich mein Atem?

Ich glaube, deshalb liebe ich Sauna so. Weil sie uns manchmal ganz unbemerkt aus diesem ewigen "Ich müsste noch ..." herausholt. Irgendwann sitzt man einfach da. Es ist warm. Vielleicht tropft einem der Schweiß auf die Knie. Jemand wedelt mit einer Sauna Vihta. Draußen wartet kalte Luft. Und plötzlich merkt man, dass man seit einer ganzen Weile nicht darüber nachgedacht hat, wie man aussieht. Oder was heute Abend noch erledigt werden muss. Ganzes da-sein.

Ein Satz, der mir geblieben ist.

Nach einem Saunaritual sagte einmal eine Frau zu mir:

"Zum ersten Mal habe ich mich in einer Sauna wirklich wohl und sicher gefühlt. Sonst hatte ich oft den Reflex zu gehen, mich aber nicht getraut. Dieses Mal wollte ich nicht gehen."

Der Satz rührt mich. Nicht, weil ich glaube, dass sich jede Person bei mir automatisch wohlfühlt. Das wäre Quatsch. Wir bringen alle unterschiedliche Erfahrungen mit und reagieren auf unterschiedliche Menschen. Aber vielleicht beschreibt dieser Satz ganz gut, was ich mir wünsche. Dass Sauna kein Ort sein muss, an dem wir uns zusammenreißen.

Sondern einer, an dem wir unserem Körper wieder ein kleines bisschen mehr zutrauen dürfen. Nicht, weil er perfekt funktioniert. Sondern weil er die ganze Zeit mit uns im Gespräch ist. Wir müssen nur manchmal wieder anfangen, ihm zuzuhören.

 
 
 

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